Kojen-Bettwäsche — warum an Bord kein Normmaß existiert

· Anna Bernd

Maßgefertigte Salonkissen aus Leinen im Yacht-Interieur

Die Geometrie

Der Rumpf zeichnet das Bett


Eine Koje ist kein Bett, das zufällig auf einem Schiff steht — sie ist ein Teil des Schiffs. Ihre Liegefläche folgt der Rumpflinie: Im Bug läuft sie spitz zu, achtern sitzt sie an einer Schräge, und irgendwo quert eine Verschalung die Wand oder ein Rohr die Ecke. Rechte Winkel, an denen sich ein Normlaken orientieren könnte, gibt es praktisch nie.

Handelsübliche Bettwäsche scheitert daran auf drei Arten: Sie spannt über die schräge Seite und zieht Falten in die Liegefläche, sie schlackert an der spitzen Seite und rutscht in der Nacht, oder sie ist schlicht zu groß für die Koje unter der Durchgangshöhe. Kojen-Bettwäsche ist deshalb immer Maßarbeit — an Land wie an Bord, nur dass an Bord das Maß komplizierter ist.

Die Vermessung

Aufmaß am Liegeplatz


La Couverta nimmt das Aufmaß an Bord vor — in der Kajüte, nicht nach Planzeichnung. Vermessen werden die Matratze in Länge, Breite und Höhe, der Verlauf der Rumpfwand, die Position von Verschalungen und die Höhe über der Liegefläche, damit die Bezüge später unter Deckschränken und Leselampen aufgezogen werden können. Aus den Maßen entstehen Papierschablonen, die an Ort und Stelle geprüft werden, bevor ein einziger Zentimeter Stoff geschnitten ist.

Die Schablonen sind die eigentliche Arbeit. Sie halten die Asymmetrie fest — keine Koje ist spiegelbildlich zur anderen, und Backbord unterscheidet sich von Steuerbord auch dann, wenn es der Grundriss vermuten lässt.

Das Laken

Elastik oder Reißverschluss


Das Spannlaken an Bord löst ein Problem, das es an Land nicht gibt: Die Matratze liegt an einer Wand, und diese Seite ist beim Beziehen kaum erreichbar. Zwei Lösungen haben sich bewährt. Das Laken mit elastischen Ecken — rundum gezogen, an der Schräge exakt zugeschnitten — hält sich selbst und lässt sich von der Gangseite aus aufziehen. Die Alternative ist der Kojenbezug mit Reißverschluss: Der Verschluss liegt an der Wandseite, die Matratze wird hineingeschoben, der Bezug schließt sie vollständig ein und verrutscht auch bei Seegang nicht.

Beide Formen werden aus Baumwoll-Jersey oder Perkal gefertigt, je nachdem, ob die Crew Elastik oder ein festes, bügelbares Gewebe bevorzugt. Die Nähte liegen dort, wo sie beim Liegen nicht drücken: an den Kanten, nie auf der Fläche.

Die Decke

Auf die Schräge geschnitten


Decken und Oberbetten folgen derselben Logik. Eine Decke in Normmaß hängt an der breiten Seite der Koje über und fehlt an der spitzen; im Bug läppert sie auf den Boden, achtern deckt sie nicht. Geschnitten wird die Decke deshalb auf den Umriss der Koje — mit Zugabe für den Einschlag an der Wandseite und einer Führung, die beim Zudecken von der Gangseite aus funktioniert.

Für Kabinen mit Etagenkojen kommt eine zweite Frage dazu: das Gewicht. Leichte Steppdecken mit Füllung aus Baumwolle oder Trevira-CS-Faser sind an Bord oft die praktischere Wahl als schwere Daunendecken — sie lassen sich an Land in einer normalen Maschine waschen und trocknen über Nacht in der Backskiste.

Das Archiv

Ersatzwäsche ohne neuen Besuch


Jede Koje, die La Couverta vermessen hat, bleibt vermessen. Schablonen, Schnittteile, Stoff- und Garnangaben wandern ins Schnitt-Archiv des Ateliers — mit Schiffsnamen, Kabinenbezeichnung und Datum. Braucht die Crew vor der nächsten Saison Ersatzwäsche, genügt ein Anruf: Die Schnitte liegen bereit, die Wäsche wird in Hamburg nachgearbeitet und an den Liegeplatz geschickt, ohne dass jemand erneut an Bord messen muss.

Das Archiv trägt auch Umbauten mit. Wird eine Matratze getauscht oder eine Koje verlängert, wird nur die betroffene Schablone angepasst — der Rest der Dokumentation bleibt gültig. Was wir sonst an Bord fertigen, steht auf der Seite Yacht-Textilien nach Maß; die Anforderungen an Brandschutz und Material beschreibt der Artikel Textilien an Bord — IMO FTP Code.

Die Pflege

An Land waschen, im Winter einlagern


Der Waschplatz an Bord ist klein, und das Klima ist es nicht: Salz und Luftfeuchtigkeit arbeiten in jedem Gewebe weiter, auch im Schrank. Kojenwäsche wird deshalb für die Pflege an Land geschnitten — Maße, die in eine normale Haushaltsmaschine passen, Gewebe, die bei sechzig Grad gewaschen werden können, keine Details, die der Reinigung im Weg stehen.

Zum Saisonende gilt eine einfache Regel: Nichts wird salzfeucht eingelagert. Laken und Bezüge werden vor dem Winter gewaschen und vollständig getrocknet, Decken und Matratzenauflagen lagern an Land, trocken und gelüftet. Was im Frühjahr wieder an Bord kommt, riecht nach Schrank, nicht nach Bilge — und passt, weil der Schnitt stimmt. Die Fertigung erfolgt auf Anfrage, mit einer Lieferzeit von in der Regel sechs bis zehn Wochen.

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